Auf dem Weg als Anwält:in

Auf dem Weg als Anwält:in

#746 Warum viele Strafurteile unverständlich sind – und was das über unsere Justiz sagt

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Diese Podcastfolge widmet sich einem der zentralsten, aber am wenigsten besprochenen Probleme der Strafjustiz: der Unverständlichkeit vieler Strafurteile.

Duri Bonin – Strafverteidiger und langjähriger Beobachter der gerichtlichen Praxis – zeigt, warum dieses Problem weit über Stilfragen hinausgeht. Viele Urteile sind sprachlich und strukturell so schwierig formuliert, dass die Verurteilten ihr Urteil kaum verstehen können. Das wirft grundlegende Fragen auf: Wie kann jemand eine Strafe akzeptieren, wenn der Entscheid nicht nachvollziehbar ist? Wie soll Vertrauen entstehen, wenn zentrale Gründe im Text untergehen? Und weshalb wirken manche Urteile sogar für erfahrene Juristinnen und Juristen wie Rätsel, die nur wenige entschlüsseln können?

Die Episode erklärt, weshalb verständliche Urteile ein Fundament der Strafjustiz sind. Ein Urteil richtet sich nicht an Professorinnen oder Fachjuristen. Es richtet sich an Menschen, denen der Staat Fehlverhalten vorwirft. Trotzdem dominieren Schachtelsätze, Passivkonstruktionen, Nominalstil, Textbausteine und lange Abschweifungen viele Urteilsbegründungen. Dadurch wird die entscheidende Frage schwer fassbar: Wie kommt das Gericht zu seinem Ergebnis? Die Folge zeigt, dass unklare Sprache und fehlende Struktur keine Nebensächlichkeiten sind. Sie gefährden Transparenz, Fairness und die Akzeptanz staatlicher Strafe. Ein Urteil, das nicht verstanden wird, wirkt willkürlich. Verständlichkeit ist deshalb eine Voraussetzung für Legitimation und ein Ausdruck von Respekt gegenüber den Betroffenen.

Die Folge wirft Fragen auf, die sich jede Person in der Justiz stellen sollte: Was macht eine verständliche und faire Urteilskommunikation aus? Und wie könnte ein Urteil aussehen, das Menschen wirklich verstehen? Duri möchte ein Problembewusstsein schaffen, das in der juristischen Ausbildung kaum vorkommt. Er richtet sich damit an Strafrichterinnen, Gerichtsschreiber und Auditorinnen, Strafverteidigerinnen und Staatsanwälte, Journalistinnen, Studierende des Strafrechts und an alle, die verstehen möchten, wie Rechtsprechung funktioniert und was ein gutes Urteil ausmacht.

Links zu diesem Podcast:
- Das Buch zum Podcast: [In schwierigem Gelände — Gespräche über Strafverfolgung, Strafverteidigung & Urteilsfindung](https://www.duribonin.ch/produkt/in-schwierigem-gelaende/)
- Anwaltskanzlei von [Duri Bonin](https://www.duribonin.ch)

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#745 KI nach dem Hype: Wie verständlich ist juristische Sprache? – Sprachvereinfachung mit KI

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Duri Bonin hat [Patrick Arnecke](https://www.linkedin.com/in/patrickarnecke/) zu sich in den Podcast eingeladen, weil er verstehen will, wie KI im realen Workflow hilft. Daraus ist die Serie «Back to the Future» entstanden: eine ruhige Bestandesaufnahme nach dem Hype – was heute schon funktioniert und wie man es sauber in die Praxis bringt.

Diesmal sprechen Patrick und Duri über Sprachvereinfachung in der Justiz: Wie verständlich sind juristische Texte? Was das für die Bevölkerung bedeutet? Wie kann KI die juristische Kommunikation wirklich verbessern? Was bedeutet Verständlichkeit im Recht? Und wie entsteht eine gerechtere Verwaltungssprache? Patrick stellt den kantonalen Pilot «KlartextZH» vor: Eine App, die komplizierte Sprache automatisch in verständlichere Varianten überträgt. Immer mit menschlicher Kontrolle, immer mit Verantwortlichkeit.

Konkret wird besprochen:
- Warum juristische Sprache in der Schweiz oft auf C2-Niveau liegt und damit von über 90 Prozent der Bevölkerung kaum verstanden wird.
- Wie der Zürcher Verständlichkeitsindex (ZIX) misst, wie schwer ein Text wirklich ist und wie hoch juristische Texte dabei ausschlagen.
- Wie viel Partizipation entsteht, wenn Behörden verständlicher schreiben.
- Wie KI-gestützte Vereinfachung funktioniert und warum sie nicht autonom eingesetzt werden sollte.
- Wie Verwaltungen mit über 2’000 Textbausteinen arbeiten und wieviel Arbeitsstunden KI spart.
- Welche ethischen Fragen sich stellen: Verantwortung, Fehlerquoten, Service für fremdsprachige Personen.
- Warum Verständlichkeit eine Frage von Gerechtigkeit und Rechtsstaatlichkeit ist.

Patrick zeigt: Sprachvereinfachung ist kein «Gimmick», sondern ein demokratisches Projekt. Verständliche Sprache ermöglicht Teilhabe in der Verwaltung, im Strafrecht, in Gerichten, in Gesetzen.

Für wen ist die Folge besonders spannend? Für alle, die schreiben, entscheiden, kommunizieren oder Recht anwenden – Verwaltung, Justiz, Bildung, Beratung, NGOs, KMU – und wissen wollen, wie KI Sprache klarer, inklusiver und zugänglicher macht.

Back to the Future:
- [#739 KI nach dem Hype – Wo hilft KI heute konkret? Wie einführen?](https://www.duribonin.ch/739-ki-nach-dem-hype-wo-hilft-ki-heute-konkret-wie-einfuehren/)
- [#741 KI nach dem Hype: Semantische Suche – schneller finden, besser entscheiden](https://www.duribonin.ch/741-ki-nach-dem-hype-semantische-suche-schneller-finden-besser-entscheiden/)
- [#743 KI nach dem Hype: Wie sicher ist KI-Audiotranskription in Strafverfahren? Erfahrungen in der Zürcher Justiz](https://www.duribonin.ch/743-ki-nach-dem-hype-wie-sicher-ist-ki-audiotranskription-in-strafverfahren-erfahrungen-in-der-zuercher-justiz/)

Links zu diesem Podcast:
- Mein Gast [Patrick Arnecke](https://www.linkedin.com/in/patrickarnecke/) ist diplomierter Data Scientist (AI & Machine Learning) beim Statistischen Amt Zürich; er entwickelt mit seinem Team nutzerorientierte KI-Lösungen und führt komplexe Transformationsprojekte
- [Künstliche Intelligenz (KI) im Kanton Zürich](https://www.zh.ch/de/politik-staat/kanton/kantonale-verwaltung/digitale-verwaltung/kuenstliche-intelligenz.html)
- [Einsatz Künstlicher Intelligenz in der Verwaltung: rechtliche und ethische Fragen](https://www.zh.ch/de/news-uebersicht/medienmitteilungen/2021/04/kuenstliche-intelligenz-in-der-verwaltung-braucht-klare-leitlini.html)
- [AI + Machine Learning Canton of Zurich](https://github.com/machinelearningZH)
- [Abteilung «Data» beim Statistischen Amt](https://www.zh.ch/de/direktion-der-justiz-und-des-innern/statistisches-amt/data.html).
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- Das Buch zum Podcast: [In schwierigem Gelände — Gespräche über Strafverfolgung, Strafverteidigung & Urteilsfindung](https://www.duribonin.ch/shop/)

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#744 «Mehr Bier» für die Strafverteidigung?

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Ein dünnes Krimibändchen, ein ungewöhnliches Geschenk und eine Ermittlerfigur, die alles infrage stellt: In dieser Folge geht es um «Mehr Bier» von Jakob Arjuni – und darum, weshalb ein Privatdetektiv wie Kermal Kayankaya überraschend viel über Strafverteidigung lehren kann. Welche Haltung braucht Verteidigung wirklich? Wie arbeitet man in einem Umfeld voller Widersprüche, Lücken, Macht und Zufall? Und was bedeutet es, menschlich zu bleiben, wenn man täglich mit menschlichen Abgründen zu tun hat?

Duri Bonin überlegt, welche Haltungen und Arbeitsweisen aus dem Roman für die Strafverteidigung relevant sind:
- Misstrauen als Grundhaltung: Kayankaya glaubt niemandem – weder Polizei noch Mandanten noch Zeugen. Er prüft jede Aussage, sucht Lücken, achtet auf das Ungesagte. Genau diese Haltung prägt eine gute Strafverteidigung: nie der ersten Darstellung vertrauen, immer prüfen, was fehlt und wer profitiert.
- Unabhängigkeit statt Zustimmung:: Kayankaya ist Aussenseiter und unbequemer Beobachter. Auch Strafverteidigung erfordert innere Distanz, das Aushalten von Gegenwind und das Wissen, dass Beliebtheit kein Kriterium für gute Verteidigung ist.
- Humor als Überlebensstrategie: Arjunis trockener, sarkastischer Stil erinnert daran, dass Humor im Strafrecht Schutz bietet: Er verhindert Abstumpfung und moralische Überhöhung.
- Loyalität ohne Identifikation: Kayankaya hält zu seinen Leuten, ohne sie zu verklären. Gute Strafverteidigung braucht Loyalität gegenüber dem Menschen – nicht Sympathie, nicht Blindheit.
- Die Sprache der Strasse: Verteidigung ist Kommunikation, nicht Theorie. Wer die Codes und unausgesprochenen Regeln versteht, kann Menschen auf Augenhöhe begegnen.
- Gesellschaftliche Zusammenhänge: Im Roman wie im echten Strafrecht stehen Delikte nie isoliert. Sie spiegeln Strukturen: Armut, Herkunft, Machtverhältnisse, Zufall. Wer nur die Akte liest, verpasst die Wirklichkeit.
- Menschlichkeit als Werkzeug: Empathie ohne Weichheit, Nähe ohne Verstrickung – das erlaubt gute Vertretung, ohne erpressbar zu werden.

Die Episode stellt Fragen, die über den Roman hinausreichen: Was steht zwischen den Paragraphen? Wie arbeitet man in einem Feld, das gleichzeitig menschlich und gnadenlos ist? Und welche Haltung trägt einen wirklich durch die Strafverteidigung?

Links zu diesem Podcast:
- Das Buch zum Podcast: [In schwierigem Gelände — Gespräche über Strafverfolgung, Strafverteidigung & Urteilsfindung](https://www.duribonin.ch/produkt/in-schwierigem-gelaende/)
- [Mehr Bier, Kayankayas zweiter Fall](https://www.diogenes.ch/leser/titel/jakob-arjouni/mehr-bier-9783257215458.html?srsltid=AfmBOorAZWCIjvantF5hRNqfGoVH_6Ur2Pi9wroJ0kduKOP7cfrWysfU), von [Jakob Arjouni](https://de.wikipedia.org/wiki/Jakob_Arjouni)
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#743 KI nach dem Hype: Wie sicher ist KI-Audiotranskription in Strafverfahren? Erfahrungen in der Zürcher Justiz

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Duri Bonin hat Patrick Arnecke zu sich in den Podcast eingeladen, weil er verstehen will, wie KI im realen Workflow hilft. Daraus ist die Serie «Back to the Future» entstanden: eine ruhige Bestandesaufnahme nach dem Hype – was heute schon funktioniert und wie man es sauber in die Praxis bringt.

In dieser Folge geht es um Audiotranskription mit KI. Ausgangslage: In der Verwaltung, der Justiz und in vielen Bereichen der öffentlichen Hand werden täglich unzählige Gespräche geführt – Einvernahmen, Befragungen, Sitzungen. All diese Gespräche müssen protokolliert werden. Das kostet Zeit, bindet Ressourcen und birgt Qualitätsrisiken. Patrick erklärt, wie KI-gestützte Transkription heute helfen kann:
- Wie KI gesprochenes Audio in Text umwandelt.
- Warum das Protokollieren im Kanton Zürich dank der Revision der Strafprozessordnung nun auch nachgelagert möglich ist.
- Welche Chancen sich daraus ergeben: weniger Unterbrüche, mehr Qualität, bessere Arbeitsabläufe.
- Und weshalb trotz KI immer ein Mensch verantwortlich bleibt

Patrick erklärt das kantonale Pilotprojekt Transcribo: eine lokale, sichere Lösung, die Audioaufnahmen automatisch verschriftlicht, Sprecher trennt und einen Editor bereitstellt, in dem Protokolle nachbearbeitet werden können. Duri und er sprechen über Genauigkeit, Fehlertoleranz, Datenschutz, On-Premise-Betrieb, und darüber, warum gute Aufnahmen wichtiger sind als man denkt. Ein weiteres Thema: Was verändert sich in der Kommunikation, wenn Menschen wissen, dass jedes Wort aufgenommen und transkribiert wird? KI ist nie nur Technik – sie ist Soziotechnik. Sie verändert Zusammenarbeit, Rollen, Verantwortung und Interaktion. Genau deshalb arbeitet der Kanton mit einem breiten Team aus Juristinnen, Protokollführenden, Data Scientists und Organisationsentwicklerinnen. KI ist Teamsport.

Die Folge zeigt: Audiotranskription ist kein Gimmick, sondern ein Arbeitsinstrument, das bleibt. Es spart Zeit, steigert die Treffergenauigkeit und macht vertrauliche Gesprächsprozesse einfacher, sauberer und verlässlicher – solange man KI als Assistenz versteht und Verantwortung beim Menschen bleibt.

Für wen ist diese Folge spannend? Für alle, die mit Gesprächen, Protokollen und komplexen Verfahren arbeiten – Justiz, Verwaltung, Bildung, Beratung, KMU – und wissen wollen, wie man Audiotranskription mit KI sicher, sinnvoll und skalierbar einführt. In der nächsten Folge sprechen Patrick und Duri über ein weiteres zentrales KI-Thema: Sprachvereinfachung.

Back to the Future:
- [#739 KI nach dem Hype – Wo hilft KI heute konkret? Wie einführen?](https://www.duribonin.ch/739-ki-nach-dem-hype-wo-hilft-ki-heute-konkret-wie-einfuehren/)
- [#741 KI nach dem Hype: Semantische Suche – schneller finden, besser entscheiden](https://www.duribonin.ch/741-ki-nach-dem-hype-semantische-suche-schneller-finden-besser-entscheiden/)

Die Podcasts "Auf dem Weg als Anwält:in" sind unter https://www.duribonin.ch/podcast/ oder auf allen üblichen Plattformen zu hören 🎧. Dort einfach nach 'Duri Bonin' suchen und abonnieren.

#742 Geschichten etablieren – wie Urteile, Anklagen und Verteidigung entstehen

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In dieser Folge von 'Auf dem Weg als Anwält:in' vertieft Duri Bonin das Thema aus der vorletzten Episode (740): Menschen denken in Geschichten und das gilt besonders für die Justiz. Doch was bedeutet das konkret für die Strafverteidigung, die Anklage und das Gericht?

Duri erklärt, warum jedes Urteil letztlich eine Geschichte ist – aber keine erfundene. Eine gute richterliche Entscheidung, braucht einen festen Anker in den Beweisen. Geschichten im Gerichtssaal dürfen nicht Fiktion sein, sondern müssen sich an Fakten orientieren, rechtlich anschlussfähig bleiben und die Tatbestandsmerkmale sauber abbilden. Zentrale Themen und Fragen dieser Episode:
- Wie entstehen juristisch belastbare Geschichten aus Beweisen, Zeugenaussagen und Indizien?
- Warum das Gericht Lücken nicht füllen darf und was das für die Verteidigung bedeutet.
- Weshalb eine ehrliche Geschichte stärker wirkt als jede Spekulation.
- Wie sich Verteidiger:innen bereits in der Untersuchungsphase aktiv in die Erzählung einbringen sollten.
- Was eine gute Verteidigung von einer Anklage unterscheidet und warum beide in Geschichten denken.
- Wie man einen klaren, einprägsamen Leitgedanken entwickelt, der wie ein roter Faden durch den Fall führt.

Diese Episode überlegt, wie Strafverteidigung tatsächlich funktioniert: als sinnstiftende Arbeit unter Rechtsbedingungen, als präzises Erzählen innerhalb klarer Grenzen. Duri verbindet juristische Erfahrung mit erzählerischem Denken und zeigt, dass gute Verteidigung bedeutet, aus Fakten eine wahrhaftige Geschichte zu formen, die trägt. Was du aus dieser Folge mitnimmst:
- Wie du als Verteidiger:in oder Staatsanwält:in eine konsistente, überprüfbare Geschichte entwickelst.
- Warum ein klarer „Sinnanker“ im Fall entscheidend ist.
- Wie du erkennst, wo eine Lücke bleibt, und warum gerade dort deine Stärke als Verteidiger:in liegt.

Als Strafverteidiger erhält man Einblicke in die unglaublichsten Fälle und arbeitet eng mit sehr unterschiedlichen und spannenden Menschen zusammen. Im Podcast 'Auf dem Weg als Anwält:in' versucht der Anwalt Duri Bonin gemeinsam mit seinen Gesprächspartnern (Beschuldigte, Verurteilte, Staatsanwälte, Strafverteidiger, Gutachter, Opfer, Unschuldige, Schuldige …) zu ergründen, wie diese ticken, was sie antreibt und wie sie das Rechtssystem erleben. Behandelt werden urmenschliche Themen. Bei genauerem Hinsehen findet man Antworten auf eigene Fragen des Lebens und der Gesellschaft.

Links zu diesem Podcast:
- Das Buch zum Podcast: [In schwierigem Gelände — Gespräche über Strafverfolgung, Strafverteidigung & Urteilsfindung](https://www.duribonin.ch/produkt/in-schwierigem-gelaende/)
- Anwaltskanzlei von [Duri Bonin](https://www.duribonin.ch)

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#741 KI nach dem Hype: Semantische Suche – schneller finden, besser entscheiden

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Duri Bonin hat Patrick Arnecke zu sich in den Podcast eingeladen, weil ich verstehen will, wie KI im realen Workflow hilft. Daraus ist die Serie «Back to the Future» entstanden: eine ruhige Bestandesaufnahme nach dem Hype – was heute schon funktioniert und wie man es sauber in die Praxis bringt.

In dieser Folge geht es um semantische Suche. Ausgangslage: In der Verwaltung liegen Millionen von Dokumenten. Wer die relevanten Dokumente schneller findet, kann sich länger und besser der eigentlichen Arbeit widmen. Patrick erklärt, wie Machine-Learning-Modelle Texte inhaltlich verorten (Embedding-Raum) und wie daraus eine hybride Suche entsteht – lexikalisch und semantisch. Konkret zeigt er das am Staatsarchiv-Projekt: eine intelligente Suche über historische Bestände aus zwei Jahrhunderten (u. a. Kantonsratsprotokolle, Regierungsratsbeschlüsse, Gesetzessammlungen). Warum das wichtig ist? Weil sich Begriffe ändern – semantische Suche findet relevante Dokumente auch dann, wenn die Terminologie von damals nicht bekannt ist. Patrick zeigt zudem, wie man Qualität prüft: mit Testdaten, gezielten Schlüsselbegriffen und realen Suchaufgaben. Und er erklärt, weshalb 100 % Perfektion weder möglich noch nötig ist, solange Ergebnisse praxistauglich sind.

Weiter erklärt er, wie die Technik trainiert wird, wo Grenzen liegen und warum der Nutzen durch Einführung und Schulung entsteht: Viele sind an strenge Stichwortmasken gewöhnt; semantische Suche eröffnet neue Muster – bis hin zur Ähnlichkeitssuche mit ganzen Dokumenten. Auch die Infrastrukturfrage kommt zur Sprache: Öffentliche Daten dürfen in die Cloud, vertrauliche und geheime Daten laufen auf Servern des Kantons. Die Kosten bleiben für Suchlösungen überschaubar. Wichtig ist die Skalierung: Ein Pilot für einige Hundert Nutzende ist etwas anderes als ein Betriebsprodukt für 35’000 Mitarbeitende – genau dort setzt Patricks Team an.

Die Folge zeigt: Semantische Suche ist kein Hype-Feature, sondern ein Arbeitsinstrument, das bleibt. Sie spart Zeit, erhöht die Trefferqualität und macht historische wie aktuelle Open-Data-Bestände noch einmal ganz anders nutzbar. Gleichzeitig gilt weiterhin Patricks Prinzip: Problem vor Tool, klein starten, Wirkung messen, reversibel bleiben und das ausrollen, was im Alltag trägt. In der nächsten Folge möchte Duri mit ihm über Audiotranskription sprechen.

Für wen ist diese Folge spannend? Für alle, die mit grossen Textmengen arbeiten – Verwaltung, Justiz, Bildung, Medien, KMU – und wissen wollen, wie man semantische Suche einführt, bewertet und skalierbar macht.

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#740 Wahrheit vor Gericht – wie Urteile wirklich entstehen

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In dieser Folge von 'Auf dem Weg als Anwält:in' führt Duri Bonin in das Herz richterlicher Entscheidungsfindung – dorthin, wo Recht, Wahrnehmung und Psychologie aufeinandertreffen. Er vergleicht die Justiz mit einem Fussballspiel, bei dem selbst der VAR nicht alle Zweifel klärt. Doch Richter:innen sind deutlich weiter entfernt: Sie sehen das Spiel nicht selbst, über das sie urteilen müssen, sie sitzen nicht im Video-Operations-Raum. Ihnen werden vielmehr Beweise wie Zeugenaussagen vorgelegt, die ihnen ein Bild davon vermitteln sollen, was auf dem Platz geschehen sein soll. So wird sichtbar, wie anspruchsvoll und komplex diese Aufgabe ist – und wie naturgemäss ungenau jedes Urteil letztlich ausfallen kann.

Wie also entstehen Urteile aus Zeugenaussagen, Gutachten und Berichten, die alle nur Bruchstücke einer Geschichte erzählen? Ist eine gute richterliche Entscheidung wirklich ein Finden von Wahrheit – oder vielmehr das Handwerk des Zweifelns, des Ordnens und des Transparentmachens? Duri zeigt, wie menschliche Wahrnehmung funktioniert: wie unser Gehirn nach Kohärenz sucht, Widersprüche glättet und Geschichten formt, die Sinn ergeben sollen. Doch was passiert, wenn diese Geschichten zu schön, zu rund werden? Wann kippt Plausibilität in Täuschung oder Manipulation?

Zentrale Themen und Fragen dieser Episode:
- Warum jede richterliche Entscheidung eine Erzählung ist – und keine absolute Wahrheit.
- Wie Priming, Ankereffekt und narrative Transportation Urteile unbewusst prägen.
- Weshalb Verständlichkeit in Urteilen kein Luxus, sondern Voraussetzung für Gerechtigkeit ist.
- Wieso Verteidiger:innen und Staatsanwält:innen als Geschichtenerzähler:innen wirken und warum Ehrlichkeit dabei entscheidend bleibt.
- Welche Rolle Zweifel, Widersprüche und das Zulassen von Unsicherheiten für eine faire Rechtsprechung spielen.

Diese Folge zeigt, wie sehr Justiz vom Menschlichen geprägt ist – von Wahrnehmung, Erinnerung und der Kunst, Sinn zu schaffen. Wer Strafverfahren verstehen will, muss verstehen, wie Geschichten Urteile formen. Duri Bonin verbindet in dieser Episode juristisches Denken mit psychologischer Tiefe und macht deutlich, warum Transparenz, Zweifel und Sprache die wahren Garanten von Gerechtigkeit sind. In dieser Folge erfährst du, wie du als Anwält:in oder Staatsanwält:in überzeugende, aber ehrliche Geschichten erzählst, wie du als Richter:in Urteile nachvollziehbar machst und warum genau das der beste Schutz vor Willkür ist. Und weshalb – in den Worten von Lezama Lima – nur das Schwierige wirklich anregend ist.

Als Strafverteidiger erhält man Einblicke in die unglaublichsten Fälle und arbeitet eng mit sehr unterschiedlichen und spannenden Menschen zusammen. Im Podcast 'Auf dem Weg als Anwält:in' versucht der Anwalt Duri Bonin gemeinsam mit seinen Gesprächspartnern (Beschuldigte, Verurteilte, Staatsanwälte, Strafverteidiger, Gutachter, Opfer, Unschuldige, Schuldige …) zu ergründen, wie diese ticken, was sie antreibt und wie sie das Rechtssystem erleben. Behandelt werden urmenschliche Themen. Bei genauerem Hinsehen findet man Antworten auf eigene Fragen des Lebens und der Gesellschaft.

Die Podcasts "Auf dem Weg als Anwält:in" sind unter https://www.duribonin.ch/podcast/ oder auf allen üblichen Plattformen zu hören 🎧. Dort einfach nach 'Duri Bonin' suchen und abonnieren.

#739 KI nach dem Hype: Wo hilft KI heute konkret? Wie einführen?

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Ich habe Patrick Arnecke zu mir in den Podcast eingeladen, weil ich verstehen will, wie KI im realen Workflow hilft. Daraus ist die Serie «Back to the Future» entstanden: eine ruhige Bestandesaufnahme nach dem Hype – was heute schon funktioniert und wie man es sauber in die Praxis bringt. Patrick ist diplomierter Data Scientist (AI & Machine Learning) beim Statistischen Amt Zürich; er entwickelt mit seinem Team nutzerorientierte KI-Lösungen und führt komplexe Transformationsprojekte – zertifiziert als Scrum Master und Product Owner.

Wir starten mit der Frage, warum überhaupt KI – und wofür genau. Patricks Team beginnt nicht beim Tool, sondern beim Problem: Welche Schritte kosten Zeit? Wo entstehen Fehler? Wo braucht es bessere Zugänglichkeit? Erst wenn klar ist, was klemmt, kommt Technik ins Spiel – klein, reversibel, messbar. Neben Datenwissenschaft zählen rechtliche, ethische, organisatorische und menschliche Fragen. Manchmal reicht eine einfache Prozessanpassung; manchmal lohnt sich ein Prototyp, an dem man gemeinsam lernt. Was funktioniert, wird zum Produkt. Was nicht funktioniert, liefert Erkenntnisse. Ein weiteres Thema ist der Stand der Digitalisierung. Vieles liegt bereits digital vor, doch nicht alles ist anschlussfähig. Wir reden darüber, wie offene Schnittstellen Tempo bringen, wo geschlossene Systeme bremsen und weshalb grosse Open-Data-Bestände ihren Wert erst mit guter Erschliessung zeigen.

Diese Folge ist eine Bestandesaufnahme: Wir klären, wo KI heute konkret hilft, wie Patricks Team arbeitet und wie der Kanton KI so einführt, dass Qualität, Transparenz und Verantwortung stimmen. In den nächsten Episoden schauen wir uns die einzelnen Piloten im Detail an. Diese Serie ist für alle spannend, die mit grossen Textmengen, Protokollen, Entscheidkorpora oder sensiblen Daten arbeiten – und wissen wollen, was jetzt schon geht, wo die Grenzen liegen und wie KI so eingesetzt wird, dass sie im Alltag wirklich nützt.

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#738 Wo siehst du mich?

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Was, wenn jemand anders vielleicht besser weiss, wohin man gehört – beruflich, menschlich, im Leben überhaupt? In dieser Folge von Mit 40i cha mers mit de Tiger drehen Frank Renold und Duri Bonin den Spiess um: Statt über sich selbst zu sprechen, stellen sie sich gegenseitig die Frage: „Wo siehst du mich?“ Frank überlegt, in welchen Welten Duri ausserhalb der Anwaltskanzlei aufblühen könnte: Vom persönlichen Einrichter über Abenteuerreisen bis hin zu neuen Wegen, mit Menschen zu arbeiten. Duri entwirft ein Gegenbild, denkt über Coaching, Orte der Begegnung und die Sehnsucht nach Gemeinschaft nach.

Im Verlauf des Gesprächs geht es um:
- Erwartungen, Selbst- sowie Fremdbilder und wie sie unser Denken begrenzen.
- Arbeit, die Sinn macht: Zwischen Menschen, Orten und Geschichten.
- Die Faszination von The Game (Michael Douglas) und warum Überraschung und Risiko zum Leben gehören.
- Träume vom eigenen Ort: Metzgerei, Beiz, Atelier oder einfach ein Raum, in dem Begegnung passiert.
- Gemeinschaft als Lebensform und was passiert, wenn Erwartungen wegfallen.
- Warum physische Orte und Alltagsrituale Halt geben, selbst in einer digitalen Welt.

Das Gespräch wird leise, humorvoll, manchmal nachdenklich und zeigt, wie zwei Freunde über Möglichkeiten sprechen, ohne sie sofort in Pläne zu verwandeln. Eine Folge über Selbstbild, Freundschaft, Raum sowie Sinn – und darüber, wie es sich anfühlt, gesehen zu werden.

[Frank Renold](https://www.liip.ch/de/team/frank-renold) und [Duri Bonin](https://www.duribonin.ch) diskutieren in ihrem monatlichen Podcast aktuelle Fragen aus Beruf, Familie und Gesellschaft. Frank, Scrum Master bei Liip, und Duri, Strafverteidiger, Autor und Podcaster, teilen ihre Einsichten, Zweifel und Erfahrungen – mit Witz, Tiefe und Freundschaft.

Links zu diesem Podcast:
- Das Buch zum Podcast: [In schwierigem Gelände — Gespräche über Strafverfolgung, Strafverteidigung & Urteilsfindung](https://www.duribonin.ch/produkt/in-schwierigem-gelaende/)
- [Frank Renold](https://ohnenamen.ch/#header)
- Anwaltskanzlei von [Duri Bonin](https://www.duribonin.ch)

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#737 Art. 188–191 StPO: Stellungnahme, Ergänzung & Kontrolle von Gutachten

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In dieser Folge des Podcasts 'Auf dem Weg als Anwält:in' diskutieren die Strafverteidiger Duri Bonin und Gregor Münch die letzten vier Artikel des fünften Kapitels der Beweismittel – von der Stellungnahme der Parteien bis zur Pflichtversäumnis der Sachverständigen. Es ist das juristische Finale zur Thematik der Gutachten – und ein Gespräch über Verantwortung, Fairness und Strategie im Umgang mit Expertisen.

Die zentralen Themen dieser Folge:
- Art. 188 StPO – Stellungnahme der Parteien und Taktik: Warum das rechtliche Gehör hier eine Schlüsselrolle spielt und die Frage, ob sich auch die Privatklägerschaft äussern darf. Wann lohnen sich Ergänzungsfragen und wann ist Schweigen klüger?
- Art. 189 StPO – Ergänzung und Obergutachten: Wie Gerichte mit unklaren oder widersprüchlichen Gutachten umgehen. Wann ein Obergutachten unvermeidlich wird und warum anwaltliche Zurückhaltung nicht immer im Interesse der Beschuldigten liegt. Ein Gericht sollte sich nicht einfach der Gutachtermeinung „anschliessen“, sondern sollte zeigen, dass es die Expertise verstanden und kritisch geprüft hat.
- Art. 190 StPO – Entschädigung: Wie Gutachter:innen entschädigt werden und weshalb die Verteidigung im Vergleich dazu zu „Spottpreisen“ arbeitet.
- Art. 191 StPO – Pflichtversäumnis: Ein kaum bekannter, aber wichtiger Artikel: Was passiert, wenn Gutachter:innen ihre Pflichten verletzen und warum Ordnungsbussen selten, aber möglich sind. Duri und Gregi konstatieren, dass Gutachten heute deutlich schneller erstellt werden als früher und was das über die Professionalisierung der forensischen Praxis aussagt.

Diese Episode schliesst das Kapitel über die Sachverständigen in der Strafprozessordnung ab. Sie zeigt, wie juristische Präzision, strategisches Denken und menschliche Erfahrung im Strafverfahren ineinandergreifen.

Bei einem Freispruchbier kam die Idee auf, die Strafprozessordnung Artikel für Artikel zu besprechen: Deshalb treffen sich [Duri Bonin](https://www.duribonin.ch) und [Gregor Münch](https://www.d32.ch/personen) freitags in den "Heiligen Stunden" des 5-Uhr-Clubs und diskutieren einen Artikel der Strafprozessordnung. Wann ist Aussageverweigerung sinnvoll? Warum braucht es Teilnahmerechte? Wie läuft eine Einvernahme ab und wie ist die Atmosphäre im Vernehmungszimmer? Wann finden die meisten Verhaftungen statt? Diesen und weiteren Fragen gehen Duri und Gregi in diesem Podcast nach.

Links zu diesem Podcast:
- [Art. 188 – Stellungnahme der Parteien](https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/2010/267/de?print=true&printId=%23art_188)
- [Art. 189 – Ergänzung und Verbesserung des Gutachtens](https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/2010/267/de?print=true&printId=%23art_189)
- [Art. 190 – Entschädigung](https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/2010/267/de?print=true&printId=%23art_190)
- Anwaltskanzlei von [Duri Bonin](https://www.duribonin.ch)
- [Art. 191 – Pflichtversäumnis](https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/2010/267/de?print=true&printId=%23art_191)
- Anwaltskanzlei von [Gregor Münch](https://www.d32.ch/personen)
- Titelbild [bydanay](https://www.instagram.com/bydanay/)
- Das Buch zum Podcast: [In schwierigem Gelände — Gespräche über Strafverfolgung, Strafverteidigung & Urteilsfindung](https://www.duribonin.ch/shop/)

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Über diesen Podcast

In diesem Podcast reflektiert Duri Bonin mit Gästen über Fragen rund um die Arbeit als Anwalt und Strafverteidiger: Was macht eine gute Anwältin aus? Wie organisiert man die Anwaltstätigkeit? Wie handhabt man den Umgang mit Klienten, Gegenanwälten, der Polizei, der Staatsanwaltschaft und den Gerichten? Was zeichnet ein gutes Plädoyer aus? Wie legt man sich eine Verteidigungsstrategie zurecht? Der spannenden Fragen sind vieler. Es ist ein Weg ins Urmenschliche, manchmal gar Allzumenschliche.

von und mit Duri Bonin

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