Auf dem Weg als Anwält:in

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#761 So geht es nicht weiter: Kündigen, bevor der Körper entscheidet

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In dieser Folge von 'Mit 40i cha mers mit de Tiger' sprechen Duri Bonin und Frank Renold über eine Entscheidung, die viele lange vor sich herschieben: die Kündigung. Frank erzählt offen, warum er seine Stelle gekündigt hat, welche körperlichen und psychischen Warnsignale ihn dazu gebracht haben, – und wie es sich anfühlt, wenn man den Schritt tatsächlich macht. Im Zentrum steht nicht Arbeitsrecht als Theorie, sondern der Moment, in dem man merkt: So geht es nicht weiter. Frank beschreibt plastisch, wie Stress sich gezeigt hat (Schlafprobleme, Grübeln, emotionale Labilität) und warum gerade das Gefühl von Handlungsfähigkeit nach der Kündigung entlastet.

Neben der persönlichen Seite wird auch das Praktische sichtbar: Wie kündigt man eigentlich gut? Warum ist es hilfreich, Dinge schriftlich festzuhalten, auch wenn das Gespräch mündlich stattfindet? Und wie sieht ein Offboarding aus, das professionell ist und gleichzeitig menschlich bleibt?

Darum geht es in dieser Episode
- Kündigung als Reaktion auf Stress und Überlastung
- Warnsignale erkennen: Schlafprobleme, Grübeln, emotionale Labilität
- Selbstwirksamkeit: Warum Entscheidungen entlasten können
- Zwischen Entscheid und Kündigungsgespräch: Wie schnell muss man handeln?
- Kündigung mündlich oder schriftlich: warum ein schriftlicher Nachweis beruhigt
- Offboarding in der Praxis: professionell, empathisch, klar organisiert
- Trauer, Scham und Wertschätzung: welche Gefühle bei einer Kündigung auftauchen
- Kündigung als Beziehungsbruch: Parallelen und Unterschiede
- Übergabe und Abschluss: mit einem Bein draussen und trotzdem verantwortlich bleiben
- Kommunikation ohne WhatsApp: digitale Erreichbarkeit und weniger Bildschirmzeit

Diese Folge ist für Menschen, die mit dem Gedanken spielen zu kündigen, aber zögern. Für alle, die Stresssignale besser verstehen wollen. Und für Führungspersonen und Teams, die überlegen möchten, wie ein Offboarding professionell und gleichzeitig menschlich gelingen kann.

Frank Renold und Duri Bonin diskutieren in ihrem monatlichen Podcast aktuelle Fragen aus Beruf, Familie und Gesellschaft. Frank ist Unternehmer – erfolgreich und gescheitert. Schauspieler. Optimist. Bastler und Tüftler. Er hat UX-Design und Web-Applikationen entwickelt, ein Theater gebaut, viel improvisiert und einen Baum gepflanzt. Er arbeitet als Coach und ist fasziniert von Menschen, die etwas können. Er blüht auf, wenn Dinge gemeinsam entstehen – im Tun, nicht im Konzept. Duri ist Anwalt, Strafverteidiger, Autor und Podcaster. Er arbeitet seit vielen Jahren im Strafrecht, denkt über Verfahren, Wahrheit und Verantwortung nach und schreibt und spricht über das, was zwischen Akten, Menschen und Entscheidungen liegt. Ihn interessiert, wie Recht wirkt, wo es scheitert – und was es braucht, damit es trägt. Gemeinsam teilen sie ihre Einsichten, Zweifel und Erfahrungen. Mit Witz, Tiefe und Freundschaft.

Die Podcasts "Auf dem Weg als Anwält:in" sind unter https://www.duribonin.ch/podcast/ oder auf allen üblichen Plattformen zu hören 🎧. Dort einfach nach 'Duri Bonin' suchen und abonnieren.

#760 Wie geht Strafverteidigung? Wie Plädoyers Entscheidungsgrundlagen werden

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Diese Folge knüpft an [#757 Plädieren mit Substanz: Wie Strafverteidigung vor Gericht überzeugt an](https://www.duribonin.ch/757-plaedieren-mit-substanz-wie-strafverteidigung-vor-gericht-ueberzeugt/) – geht aber einen Schritt weiter. Es geht nicht mehr nur um Technik, sondern um die Funktion von Verteidigung im Verfahren.

Duri Bonin ordnet das Handwerk des Plädierens ein als Arbeit an Klarheit in einem Verfahren, das selten eindeutig ist. Strafverteidigung erzählt Geschichten – nicht um zu dramatisieren oder zu überreden, sondern um Komplexität verständlich zu machen, Widersprüche sichtbar zu halten und dem Gericht die Arbeit der Entscheidung überhaupt erst zu ermöglichen.

Die Folge zeigt, warum gute Verteidigung nicht im Effekt liegt, sondern in der sorgfältigen Verdichtung: von der Rechtsfrage über die Falltheorie bis zur Sprache des Plädoyers. Und warum genau diese Arbeit – so unspektakulär sie wirkt – für Gerichte zentral ist, um Sachverhalte einordnen, abwägen und verantworten zu können.

Darum geht es in dieser Episode:
- Warum gutes Plädieren mit der präzisen Klärung der Rechtsfrage beginnt
- Falltheorie: Was ist passiert – und was bedeutet das rechtlich?
- Die Funktion des Leitmotivs als innerer Kompass der Verteidigung
- Storymap im Strafverfahren: Figuren, Ort, Ablauf, Wendepunkt
- Warum die beste Version der Gegenseite immer mitzudenken ist
- Beweise einordnen statt aufzählen
- Einvernahmen und Zeugenbefragungen als Teil einer konsistenten Sachverhaltsversion
- Widersprüche integrieren statt verdrängen
- Die stärksten Gegenargumente offen benennen und beantworten
- Sprache im Plädoyer: Struktur, kurze Sätze, anschauliches Deutsch
- Warum Textbausteine Denken ersetzen – und Urteile schwächen
- Der ethische Prüfstein: nichts Wesentliches weglassen, nichts verdrehen
- Die Widerstandsprobe: Trägt die eigene Version auch unter ungünstigen Annahmen?

Gute Verteidigung arbeitet mit dem, was trägt – und verschweigt nicht, was offenbleibt. Sie hält Unsicherheit aus, statt sie zu kaschieren. Und sie nimmt das Gericht ernst als Instanz, die mit Ungewissheit umgehen und Verantwortung übernehmen muss.

Diese Folge richtet sich an Strafverteidigerinnen und Strafverteidiger, Staatsanwältinnen und Staatsanwälte sowie Vertreterinnen und Vertreter von Privatklägern, die ihr Plädieren schärfen wollen – nicht rhetorisch, sondern strukturell. An Richterinnen und Richter, die nachvollziehen möchten, wie Verteidigung Sachverhalte strukturiert und Entscheidungsprozesse unterstützt. Und an alle, die sich für Rechtsstaatlichkeit interessieren und verstehen wollen, warum gute Strafverteidigung nicht stört, sondern ermöglicht.

Links zu diesem Podcast:
- Buch '[Anwaltsmanagement](https://www.duribonin.ch/produkt/anwaltsmanagement-bd-6/)' (Bd. 6) - am 15.1.26 in 2. Auflage erschienen
- Das Buch zum Podcast: [In schwierigem Gelände — Gespräche über Strafverfolgung, Strafverteidigung & Urteilsfindung](https://www.duribonin.ch/produkt/in-schwierigem-gelaende/)
- Anwaltskanzlei von [Duri Bonin](https://www.duribonin.ch)

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#759 Stammheim heute: Wenn Angst und öffentlicher Druck Strafverfahren strukturieren

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Was passiert mit dem Rechtsstaat, wenn Angst und/oder emotionale Aufladung den Ton angeben? In dieser Folge von «Auf dem Weg als Anwält:in» spricht Duri Bonin mit Gregor Münch über einen historischen Strafprozess, der bis heute nachwirkt: die Stammheim-Verfahren der 1970er- und 1980er-Jahre – und darüber, was sie über heutige Strafverfahren erzählen.

Ausgehend vom Fall Peter-Jürgen Bock, einem ehemaligen RAF-Mitglied und Aussteiger, zeichnet Duri Bonin die Eskalation eines Strafverfahrens nach, das sich von der Zusage eines fairen Prozesses zu einem politisch aufgeladenen Ausnahmezustand entwickelte. Im Zentrum stehen Fragen nach Kronzeugen-Logik, Verfahrensklima, der systematischen Schwächung der Verteidigung und der Rolle von Gerichten in Zeiten gesellschaftlicher Angst.

Das Gespräch verbindet Rechtsgeschichte mit heutiger Praxis: Wie wirken Misstrauen, Sicherheitsdenken und politischer Druck auf Ermittlungsbehörden, Gerichte und Verteidiger? Wo beginnen Zermürbungsmechanismen – durch Terminregime, Sicherheitskontrollen, Honorarkürzungen oder die Abwertung verteidigerischer Arbeit? Und was bedeutet das für die Idee eines fairen, ergebnisoffenen Strafverfahrens?

Ein Zitat aus der Folge: «Wenn Angst den Strafprozess bestimmt, verschiebt sich alles. Dann wird Strafverfolgung zur Machtdemonstration, das Gericht zum Verteidiger des Staates – und die Verteidigung zum Problem.» Also genau dann, wenn diese am nötigsten wäre.

Darum geht es im Detail in dieser Episode:
- Stammheim als historisches Symbol für den Strafprozess im Ausnahmezustand
- Der Fall Peter-Jürgen Bock und die enttäuschte Erwartung an einen möglichen Kronzeugen
- Die Frage, ob „Fairness“ faktisch an Kooperationsbereitschaft geknüpft wird
- Wie ein öffentliches Interview (Der Spiegel) das Verfahrensklima kippen liess
- Die Rolle des Strafverteidigers Heinrich Hannover und die extreme Belastung der Verteidigung
- Der Versuch, unliebsame Verteidiger zu umgehen oder zu ersetzen
- Sicherheitsdenken gegenüber Verteidigern: Durchsuchungen, Misstrauen, Asymmetrien
- Zermürbungsmechanismen durch Terminierung, Reisepflichten, Durchsuchung, Überwachung
- Die Ökonomie der Pflichtverteidigung und das strukturelle Risiko für Kanzleien
- Pauschale Honorarkürzungen als Ausdruck von Geringschätzung verteidigerischer Arbeit
- Gutachten, die „zu gut passen“, und der Umgang der Gerichte mit methodischen Mängeln
- Verteidigungsbeweise, die formal erlaubt, praktisch aber entwertet werden
- Medien als Korrektiv oder zusätzlicher Druck auf Verfahren und Beteiligte
- Angst und/oder emotionale Aufladung als Motor der Strafjustiz – damals in Stammheim und heute in anderen Kontexten
- Die Frage, wie Prozesskultur und Waffengleichheit konkret geschützt werden können

Diese Folge richtet sich an Strafverteidiger, Richterinnen, Staatsanwälte und alle, die sich für Strafprozessrecht und Rechtsstaatlichkeit interessieren. An Menschen, die verstehen wollen, wie sehr Klima, Politik und Angst die Urteilsfindung beeinflussen können – und warum historische Verfahren wie Stammheim auch heute noch relevant sind.

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#758 Mündliche Anwaltsprüfung, zweiter Versuch – Annas Tag der Entscheidung

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In dieser Folge von «Auf dem Weg als Anwält:in» spricht Duri Bonin mit Anna einen Tag nach ihrer mündlichen Wiederholungsprüfung. Es ist ein Gespräch über extreme Nervosität, Selbstkontrolle unter Hochdruck – und über den Moment, in dem alles kippt: von Angst zu Klarheit, von Zweifel zu Ruhe.

Anna erzählt ihren Prüfungstag minutiös: vom frühen Aufwachen, der wachsenden Nervosität ab dem Vormittag, dem Eisbaden im Fluss als kurzfristige Beruhigung, dem Warten vor dem Gericht und dem inneren Dialog im Spiegel. Im Zentrum steht nicht der Prüfungsstoff, sondern der Umgang mit Druck, der Einstieg in die Prüfung, das bewusste Verlangsamen, das strukturierte Denken – und das Vertrauen, dass die Kommission sehen will, was man kann, nicht was man nicht kann.

Die Folge zeigt eindrücklich, wie stark Auftreten, Tonfall und Interaktion den Verlauf prägen können. Wie eine freundlich gestellte erste Frage den Raum öffnet. Wie Selbstkontrolle funktioniert, wenn die Nervosität bei zehn ist. Und wie sich nach Minuten des Wartens die Entscheidung zuspitzt – bis zum Satz, der alles verändert: Sie haben die Prüfung bestanden.

Darum geht es in dieser Episode
- Der Tag der mündlichen Wiederholungsprüfung – von morgens bis abends
- Prüfungsangst, körperliche Reaktionen und mentale Überforderung
- Eisbaden, Atem, Routinen: kurzfristige Strategien gegen Stress
- Der Moment vor dem Gericht: Warten, Spiegel, Selbstansprache
- Warum der Einstieg in die Prüfung entscheidend ist
- Tonfall, Haltung und Interaktion als unterschätzte Faktoren
- Struktur statt Tempo: bewusst langsamer sprechen und denken
- Fokus auf das, was man weiss – nicht auf mögliche Lücken
- Die Beratung der Kommission und das Warten auf den Entscheid
- Der Moment des Bestehens und die emotionale Entladung danach
- Was Anna aus zwei Prüfungsanläufen gelernt hat
- Warum sie sich heute stärker fühlt als vor der ersten Prüfung

Ein Gedanke, der hängen bleibt: Nicht Wissen allein entscheidet in der mündlichen Anwaltsprüfung, sondern die Fähigkeit, unter maximalem Druck bei sich zu bleiben, zuzuhören und strukturiert zu denken. Mentale Stärke zeigt sich nicht in Abwesenheit von Angst, sondern im Umgang mit ihr.

Diese Folge richtet sich an Kandidatinnen und Kandidaten der Anwaltsprüfung. An Personen, die Prüfungsangst, Freeze oder Selbstsabotage kennen. Und an alle, die verstehen wollen, wie mentale Selbstführung, Auftreten und innere Haltung über Erfolg oder Scheitern entscheiden können.

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- Anwaltskanzlei von [Duri Bonin](https://www.duribonin.ch)
- Das Buch zum Podcast: [In schwierigem Gelände — Gespräche über Strafverfolgung, Strafverteidigung & Urteilsfindung](https://www.duribonin.ch/shop/)

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#757 Plädieren mit Substanz: Wie Strafverteidigung vor Gericht überzeugt

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Was macht ein gutes Plädoyer aus? Nicht Lautstärke, nicht Polemik, nicht das grosse Finale – sondern präzise Arbeit an der «Geschichte», an den Widersprüchen und an den Zweifeln. In dieser Folge von «Auf dem Weg als Anwält:in» spricht Duri Bonin über das Handwerk des Plädierens.

Zum Jahresanfang geht es um die Grundlagen überzeugender Strafverteidigung vor Gericht. Wie entstehen Geschichten, die tragen? Warum sind Szenen stärker als Schlagworte? Weshalb ist es fatal, Widersprüche zu verschweigen – und warum liegt gerade im Benennen von Unsicherheiten oft die grösste Überzeugungskraft?

Die Folge zeigt Schritt für Schritt, wie aus Akten eine stimmige Falltheorie wird: vom klar definierten Ziel über das Leitmotiv bis zur Storymap mit Personen, Schauplatz, Zeitlinie und Wendepunkt. Duri erklärt, warum man die beste Version der Gegenseite kennen muss, um die eigene glaubwürdig zu entwickeln – und weshalb ethische Zurückhaltung kein moralischer Luxus, sondern ein zentraler Wirkfaktor ist.

Darum geht es in dieser Episode
- Warum Menschen durch konkrete Szenen überzeugt werden – nicht durch abstrakte Begriffe
- Wie Strafverteidigung mit Geschichten arbeitet, ohne Fakten zu verbiegen
- Weshalb Widersprüche nicht verdrängt, sondern integriert werden müssen
- Wie Zweifel sichtbar gemacht werden und warum «in dubio pro reo» praktisch wirkt
- Zieldefinition, Falltheorie und Leitmotiv als Fundament jedes Plädoyers
- Storymap im Strafverfahren: Personen, Schauplatz, Zeitlinie und Schlüsselszene
- Arbeit mit Beweisen: objektiv Unbestrittenes, neutrale und parteiische Zeugen
- Zeugenbefragung als Teil der eigenen Geschichte – nicht als Selbstzweck
- Sprache im Plädoyer: klare Struktur, kurze Sätze, konkrete Verben
- Warum Textbausteine Denken ersetzen – und Urteile schwächen
- Ethik in der Verteidigung: keine Polemik, keine Manipulation, keine Auslassungen
- Weshalb Vertrauen durch Fairness entsteht – gerade gegenüber Gerichten
- Warum ein Plädoyer Wochen vor der Verhandlung stehen sollte
- Der Stresstest der eigenen Geschichte: Trägt sie auch unter ungünstigen Annahmen?

Ein Gedanke, der hängen bleibt: Ein Plädoyer ist kein Seifenblasenprodukt und kein Widerstand um des Widerstands willen. Es ist das Ergebnis harter, ehrlicher Arbeit an einer Geschichte, die auch dann noch trägt, wenn man der Gegenseite maximal Glauben schenkt. Erst dann hat Verteidigung Substanz.

Diese Folge richtet sich an Strafverteidigerinnen und Strafverteidiger, die ihr Plädieren vertiefen und schärfen wollen. An Anwältinnen und Anwälte, die verstehen möchten, wie Psychologie, Sprache und Beweiswürdigung im Gerichtssaal zusammenspielen. Und an alle, die sich für Rechtsstaatlichkeit interessieren und verstehen wollen, warum gute Strafverteidigung nicht im Effekt, sondern in der täglichen Präzisionsarbeit liegt.

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#756 Mündliche Anwaltsprüfung – Annas Vorbereitung auf den zweiten Versuch

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Was passiert zwischen zwei entscheidenden Prüfungen - zwischen der ersten und der zweiten mündlichen Anwaltsprüfung? In dieser sehr persönlichen Folge von «Auf dem Weg als Anwält:in» spricht Duri Bonin mit Anna über die Zeit nach einem Nichtbestehen – und vor der alles entscheidenden Wiederholungsprüfung.

Es geht um Prüfungsangst, mentale Blockaden, Überforderung durch Gedanken an das Danach und um die Frage, wie man mit maximalem Druck umgeht, ohne sich selbst zu sabotieren. Anna erzählt offen von ihrem Rückzug in die Berge, von Erholung, Visualisierung, Therapie, Lernstrategien und davon, wie leicht man sich in Prüfungssituationen im eigenen Kopf verliert.

Die Folge zeigt eindrücklich, dass es oft nicht am Wissen scheitert, sondern am Moment: am Einstieg, am Auftreten, am inneren Dialog. Und sie macht Mut, den Fokus wieder auf das Wesentliche zu legen – zuhören, nachfragen, bei den Basics beginnen, Komplexität reduzieren.

Darum geht es in dieser Episode
- Die Zeit nach einem Prüfungs-Fail und vor der Wiederholungsprüfung
- Prüfungsangst, Panik, Freeze – und wie sie entstehen
- Warum Druck nicht aus mangelndem Lernen, sondern aus Gedanken entsteht
- Mentale Strategien: Visualisierung, Atem, Routinen, Self-Control
- Erholung als Teil der Vorbereitung: Berge, Abstand, Fokus
- Der Umgang mit der Angst vor dem endgültigen Scheitern
- Warum der Auftritt oft entscheidender ist als Detailwissen
- Einstieg in die Prüfung: hören, nachfragen, strukturieren
- Komplexität reduzieren statt gedanklich vorgaloppieren
- Warum es hilft, nicht «speziell» sein zu wollen
- Lernen zwischen Optimismus und Realismus
- Wiederholung als mentale Klippe – und als Chance

Ein Gedanke, der hängen bleibt: Nicht das Wissen bringt einen aus der Bahn, sondern die Angst vor dem nächsten Gedanken. Wer lernt, im Moment zu bleiben, zuhört und bei den Grundlagen anfängt, gewinnt wieder Handlungsspielraum – selbst unter maximalem Druck.

Diese Folge richtet sich an angehende Anwältinnen und Anwälte, Jurastudierende und alle, die sich auf mündliche Prüfungen vorbereiten. An Menschen, die mit Leistungsdruck, Versagensangst oder mentalen Blockaden kämpfen. Und an alle, die verstehen wollen, warum mentale Stärke, Auftritt und Selbstführung in Prüfungssituationen oft entscheidender sind als reines Faktenwissen.

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#755 «Gute Strafverteidigung ist nicht das grosse Finale, sondern die tägliche Arbeit»

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Kurz vor dem Jahreswechsel sitzen Duri Bonin und Nina Langner zusammen und tun etwas, das im Kanzleialltag viel zu selten geschieht: innehalten. Wie fühlt sich 2025 an, wenn man es wirklich betrachtet? Welche Bilder bleiben, welche Momente tragen und welche Reibungen kosten Kraft? Es ist ein Gespräch über Berufsstolz ohne Pathos, über Erleichterung nach einem Freispruch, über das zermürbende Thema der Honorarnotenkürzungen und über ein gesellschaftliches Klima, das immer stärker nach «maximaler Sicherheit» schreit. Und dann der Blick nach vorn: weniger Flipperkasten im Kopf, mehr Luft im Tag, ein Kanzleialltag, der nicht wieder im Tunnel endet.

Ein Moment, der hängen bleibt: Nina beschreibt ihren grössten Moment des Jahres 2025 nicht als «Triumph», sondern als körperliche Entlastung: jenen Augenblick, in dem ein Stein herunterfällt, wenn ein Mensch nach Jahren unter einem schweren Vorwurf endlich wieder atmen kann. Duri macht deutlich, warum das mehr ist als ein beruflicher Erfolg: weil sichtbar wird, wie sehr ein Verfahren ein Leben formt – lange bevor ein Urteil gesprochen wird.

Zentrale Themen und Fragen der Episode
- Was bedeutet ein Freispruch emotional, wenn man die Jahre davor mitträgt?
- Warum treffen Honorarnotenkürzungen doppelt – finanziell und als Misstrauenssignal?
- Weshalb ist das Rechtsmittel gegen Honorarpauschalen oft irrational, obwohl es um Fairness geht?
- Wie organisiert man Strafverteidigung so, dass Unvorhergesehenes Platz hat und nicht alles andere verdrängt?
- Was macht eine zunehmende Sicherheitskultur mit Institutionen – und warum kippt sie schnell in Misstrauen gegenüber der Verteidigung?
- Wo liegt die Grenze zwischen «nah bei den Klienten sein» und «sich selbst verlieren»?

Zitate, die bleiben:
- «Eine gute Strafverteidigung ist nicht das grosse Finale – es ist die tägliche Arbeit, die den Unterschied macht.»
- «Früher hatte ich das Primat: Ich ziehe jede Honorarkürzung weiter, egal wie gross der Aufwand ist. Nach einem Herzinfarkt sind das dann irgendwie wie die Kämpfe, die man nicht mehr führen mag.»
- «Es macht einen Unterschied, ob wir im Fall drin sind oder nicht – nicht nur wegen des Resultats, sondern weil sich jemand gehört fühlt und weniger Angst hat.»

Diese Folge richtet sich an Strafverteidigerinnen und Strafverteidiger, die ihren Beruf nicht nur als Technik, sondern als Verantwortung erleben. An Anwältinnen und Anwälte, die den Druck von langen Verfahren, knappen Ressourcen und strukturellem Misstrauen kennen und sich fragen, wie man diesen Beruf über Jahre hinweg ausüben kann, ohne sich selbst zu verlieren. Sie ist ebenso für Menschen gedacht, die im Justizsystem arbeiten oder ihm nahestehen und verstehen wollen, was Verteidigung im Alltag tatsächlich bedeutet – jenseits von Urteilen, Schlagzeilen und abstrakten Prinzipien. Und schliesslich für alle, die sich für Rechtsstaatlichkeit interessieren und dafür, wie viel es ausmacht, ob jemand im Verfahren begleitet wird oder nicht: nicht nur für das Resultat, sondern für das Gefühl, gehört zu werden und weniger Angst zu haben.

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#754 KI nach dem Hype: KI-Ethik in der Verwaltung – Leitplanken & Verantwortung

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Duri Bonin hat [Patrick Arnecke](https://www.linkedin.com/in/patrickarnecke/) zu sich in den Podcast eingeladen, weil er verstehen will, wie KI im realen Workflow hilft. Daraus ist die Serie «Back to the Future» entstanden: eine ruhige Bestandesaufnahme nach dem Hype – was heute schon funktioniert und wie man es sauber in die Praxis bringt.

KI ist nie nur Technik. Sie ist Soziotechnik: Sie verändert Rollen, Verantwortung, Zusammenarbeit und am Ende auch die Frage, was in der Verwaltung (und in der Justiz) als fair, nachvollziehbar und korrekt gilt. In dieser Episode sprechen Duri Bonin und Patrick Arnecke über KI-Ethik als praktische Arbeit: nicht nur «Was dürfen wir?», sondern «Was wollen wir?» und welche Leitplanken es dafür braucht.

Ausgangspunkt sind reale Workflows: Sprachvereinfachung, Audiotranskription, Protokolle in Einvernahmen. Patrick zeigt, warum «Fehler» kein Randthema sind, sondern der Kern jeder ethischen Debatte über KI: Jedes System macht Fehler – entscheidend ist, welche Fehler, wie weh sie tun, und wie man damit sauber umgeht. Ein zentrales Prinzip in der Zürcher Verwaltung: KI als Hilfssystem, nicht als Entscheidungssystem. Patrick nennt das nicht «Human in the Loop», sondern konsequent «AI in the Loop»: Die KI liefert Entwürfe und Anregungen – der Mensch bleibt zu 100 Prozent verantwortlich. Dazu gehört Governance statt Siegeldenken: keine einmalige «KI-Zulassung», sondern laufende Beobachtung, Folgenabschätzung und Qualitätskontrolle über den ganzen Lebenszyklus inklusive Konzeptdrift (die Welt ändert sich, das Modell bleibt stehen). Und am Schluss steht eine Perspektive, die hängen bleibt: KI ist nicht «Zukunft». Sie ist längst überall – gerade weil sie oft unsichtbar geworden ist. Nicht «Wann beherrschen Maschinen die Welt?», sondern: Sie tun es schon und oft erstaunlich doof.

Konkret wird besprochen:
- Warum KI-Ethik mehr ist als Compliance: Es geht um Werte, Gemeinwohl und Benachteiligungen verhindern.
- Benefizienz: KI soll Arbeit besser machen (z.B. mehr Zeit für juristische Kernarbeit statt Protokollstress).
- Fehlerkultur bei KI: unterschiedliche Fehlertypen, unterschiedliche Schäden, unterschiedliche Prüfpflichten.
- Leitplanken der Zürcher Verwaltung: Studie/Leitfaden mit Universität Basel und AlgorithmWatch als Rahmenwerk.
- «AI in the Loop»: Assistenz statt Automatisierung, Verantwortung bleibt beim Menschen.
- Rollout als Teamsport (Juristinnen, HR, OE, Datenschutz, Sicherheit, Fachstellen).
- Ethik als Prozess: Monitoring, Konzeptdrift, laufende Folgenabschätzung statt Stempel.
- Bias als Chance und Risiko: Verzerrungen sichtbar machen – aber auch Datenerhebung vs. Datenschutz als Zielkonflikt.
- Soziotechnische Kompetenz aufbauen: reden, fragen, ausprobieren.

Für wen ist diese Folge besonders spannend? Für alle, die KI nicht als Buzzword, sondern als Verantwortungsthema verstehen wollen: Verwaltung, Justiz, Strafverteidigung, Behördenkommunikation, Compliance/Governance, Daten- und Digital-Teams – und alle, die KI einführen (oder einkaufen) wollen, ohne die Kontrolle abzugeben.

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#753 Kriegt der Staat die dicken Fische nicht? Cum-Ex und das Auslieferungsverfahren gegen Hanno Berger in der Schweiz

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In dieser Folge geht es um einen der grössten Wirtschaftsstrafprozesse Europas: den Cum-Ex-Skandal.

Gregor Münch ordnet für Duri Bonin die strafrechtlichen, rechtshilferechtlichen und politischen Dimensionen dieses Komplexes ein – mit besonderem Fokus auf die Rolle der Schweiz als Finanzplatz und im Rechtshilfe- und Auslieferungsrecht.

Ausgangspunkt ist die Arbeit der deutschen Staatsanwältin Anne Brorhilker, die die strafrechtliche Aufarbeitung der Cum-Ex-Geschäfte jahrelang massgeblich vorangetrieben hat und scharf kritisiert, dass sich finanzstarke Beschuldigte mithilfe von Einstellungen und Geldauflagen faktisch aus Strafverfahren «freikaufen» können.

Ein zentrales Thema der Episode ist der Fall Hanno Berger, einer der Schlüsselfiguren der Cum-Ex-Geschäfte, der sich lange Zeit in der Schweiz aufhielt und schliesslich an Deutschland ausgeliefert wurde. Dabei diskutieren Gregi und Duri unter anderem:
- wie Cum-Ex-Geschäfte funktionieren und weshalb sie als systematischer Steuerbetrug eingeordnet werden
- weshalb Fiskaldelikte traditionell nicht auslieferungsfähig sind – und wo diese Grenze aufweicht
- die Bedeutung der doppelten Strafbarkeit im schweizerischen Rechtshilferecht
- die Rolle der Schweiz als Transitstaat für Geldflüsse und als Standort einzelner Akteure
- die Rechtsprechung des Bundesstrafgerichts und des Bundesgerichts im Auslieferungsverfahren
- die Frage der Haft-, Reise- und Verhandlungsfähigkeit aus Sicht der Verteidigung
- warum das Bundesgericht den Fall nicht als «besonders bedeutend» qualifiziert hat

Am Rande wird auch die politische Dimension angesprochen, unter anderem die Debatte um den damaligen Hamburger Bürgermeister und späteren deutschen Bundeskanzler Olaf Scholz sowie den Einfluss von Lobbying im Finanz- und Bankenbereich.

Die Folge verbindet Wirtschaftsstrafrecht, Strafverteidigung und internationale Rechtshilfe – und zeigt exemplarisch, wie komplex, zermürbend und politisch aufgeladen grosse Finanzstrafverfahren (auch für die Schweiz) sein können.

Zum Schluss schenkt Gregor Duri das Buch «Cum/Ex, Milliarden und Moral» von Anne Brorhilker mit dem Hinweis, man müsse als Strafverteidiger auch die Perspektive der Strafverfolgung kennen. Duri spricht hörbar erfreut über Sympathie und Ambivalenz in Wirtschaftsstrafverfahren, die Rolle der Privatklägerschaft und darüber, weshalb Durchhaltewillen und Präzision in solchen Verfahren entscheidend sind.

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#752 Anna: Ein Tag nach der mündlichen Anwaltsprüfung – Panik. Kämpfen. Nicht bestanden.

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Gestern sass Anna in der mündlichen Anwaltsprüfung. Heute sitzt sie wieder bei Duri im Studio.

Und man hört es sofort: Die Zeit nach der Prüfung fühlt sich nicht an wie Erleichterung, sondern wie Nachbeben. Anna erzählt, was im Raum passiert ist, was in ihr passiert ist – und wie man mit einem Ergebnis weitergeht, das weh tut, aber nicht alles zerstört.

Anna spricht offen darüber,
- wie der Tag bis zum Prüfungstermin abgelaufen ist und wie sie die Minuten unmittelbar vor der Prüfung erlebt hat
- wie sie den Prüfungsraum betreten hat und wie es war, als die erste Frage an sie gerichtet wurde
- wie die Nervosität sich angefühlt hat, warum sie im OR sofort in Panik geraten ist und wie sie im Reden merkte: „Was rede ich da eigentlich?“
- wie sich Zittern und Schwitzen im Prüfungszimmer angefühlt haben – körperlich, unkontrollierbar, brutal ehrlich
- wie sie Begriffe verwechselt hat, wie Prüfer reagiert haben, und warum die Stimmung trotzdem neutral bis freundlich blieb
- wie die Pause und das Gespräch mit dem Prüfungspartner ihr geholfen haben, wieder in einen Arbeitsmodus zu kommen
- welche Fächer danach besser liefen und warum sich „kompensieren“ plötzlich wie ein Rettungsplan anfühlte
- wie belastend das Warten draussen ist, während die Prüfer drinnen das Ergebnis beraten
- wie der Bescheid kam: OR und ZGB nochmals
- wie sie es ihrer Familie sagen musste, und warum Tränen und Prosecco nebeneinander stehen dürfen
- warum sie am Morgen schon wieder gehandelt hat: neuer Termin, Fristverkürzungsgesuch, nicht zu lange warten
- warum sie trotz allem sagt: sechs von acht Fächern bestanden – das zählt

Duri ordnet mit ihr ein, was diese Prüfung psychisch macht, warum Bewegung und Timing helfen können, wie wichtig ein guter Prüfungspartner ist – und weshalb schnelles Wieder-Einsteigen nicht Härte ist, sondern manchmal Selbstschutz.

Du hörst in dieser Folge
• Der Moment nach der Prüfung: raus aus dem Raum, rein in den Körper
• Nervosität als Skala: von 9 zu 11 – und was das mit dir macht
• Blackout im OR: wenn ein Begriff reicht und der Kopf dichtmacht
• Mini-Momente im Prüfungszimmer: Zittern, Schweiss, Stimme, Wasserflasche
• Warum Rückfragen und Struktur (zu spät) plötzlich so logisch wirken
• Teamwork mit dem Prüfungspartner: Unterstützung, Chemie, Kollegialität
• Die Wartezeit draussen: psychischer Druck, Geräusche aus dem Beratungszimmer
• Das Ergebnis: OR und ZGB nochmals – und wie Anna den Bescheid verarbeitet
• Der Tag danach: neuer Termin, Fristverkürzungsgesuch, „sofort wieder aufs Ross“

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Über diesen Podcast

In diesem Podcast reflektiert Duri Bonin mit Gästen über Fragen rund um die Arbeit als Anwalt und Strafverteidiger: Was macht eine gute Anwältin aus? Wie organisiert man die Anwaltstätigkeit? Wie handhabt man den Umgang mit Klienten, Gegenanwälten, der Polizei, der Staatsanwaltschaft und den Gerichten? Was zeichnet ein gutes Plädoyer aus? Wie legt man sich eine Verteidigungsstrategie zurecht? Der spannenden Fragen sind vieler. Es ist ein Weg ins Urmenschliche, manchmal gar Allzumenschliche.

von und mit Duri Bonin

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