Auf dem Weg als Anwält:in

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#799 Auf dem Weg zur Einvernahme bei der Staatsanwaltschaft Nidwalden

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Einvernahme um halb zehn in Stans. Das klingt machbar – bis der Schnellzug Verspätung hat, der Anschluss in Luzern knapp wird, Google Maps zum falschen Ende eines gesicherten Areals führt und die Staatsanwaltschaft irgendwo hinter Polizei, Gefängnis und Stacheldraht liegt. Und dann, nach Spurt, Hitze und Umweg: eine Einvernahme, die Duri Bonin als souverän, zugewandt und ergebnisoffen erlebt.

Ausgangspunkt dieser Folge ist Duri Bonins Besuch bei der Staatsanwaltschaft Nidwalden in Stans. Nina Langner macht daraus sofort den passenden Untertitel für den Podcast: «Auf dem Weg durch die Schweiz». Denn manchmal zeigt Strafverteidigung und Geschädigtenvertretung nicht nur Akten, Rechtsfragen und Einvernahmen, sondern auch Bahnhöfe, Anschlüsse, kantonale Unterschiede, Gebäude, Wege, Räume – und am Ende ein gutes Essen in einem Dorf, das Duri zuerst für ein Städtchen hält.

Darum geht es in dieser Folge

  • Wie eine Einvernahme bei der Staatsanwaltschaft Nidwalden in Stans praktisch abläuft
  • Warum Duri den Einvernahmetermin bewusst erst auf halb zehn legen liess
  • Was knappe ÖV-Anschlüsse mit anwaltlicher Vorbereitung zu tun haben
  • Warum der Weg zur Staatsanwaltschaft manchmal komplizierter ist als die Einvernahme selbst
  • Warum verständliche Kommunikation wichtiger ist als technische Routine
  • Was es bedeutet, als Geschädigtenvertreter mit einer vorbereiteten Einvernahme zu erscheinen
  • Warum vorbereitete Dokumente manchmal gar nicht mehr gebraucht werden
  • Weshalb Stans in dieser Folge nicht nur Verfahrensort, sondern auch Erlebnisraum ist

Auf dem Weg durch die Schweiz

Nina bringt es gleich zu Beginn auf den Punkt: Der Podcast könnte momentan auch «Auf dem Weg durch die Strafverfolgungsbehörden der Schweiz» heissen. Diese Folge führt nach Stans, zur Staatsanwaltschaft Nidwalden. Der erste praktische Punkt beginnt schon vor der Vorladung: Wann setzt man eine Einvernahme an, wenn man aus Zürich anreisen muss? Duri hat diesmal vorher nachgeschaut, wie weit Stans tatsächlich ist. Halb zehn statt früher Morgen. Keine Übernachtung. Kein Hotel. Das ist keine Nebensache. Wer zu einer Einvernahme reist, muss nicht nur inhaltlich vorbereitet sein, sondern auch pünktlich, konzentriert und arbeitsfähig ankommen.

Wenn der Anschluss Teil der Geschichte wird

Die Anreise verläuft nicht ganz so ruhig wie geplant. Der Zug nach Luzern ist voll und verspätet, der Anschluss nach Stans knapp, der Wechsel auf Gleis 14 sportlich. Duri sprintet, steigt gerade noch ein – und stellt fest: Der Zug wäre tatsächlich ohne ihn gefahren. Anwaltliche Praxis ist manchmal weniger grosse Rhetorik als profane Logistik. In Stans geht es weiter mit dem Bus. Zwei Minuten Busfahrt klingen in Zürich nach einer kurzen Strecke. In Nidwalden bedeutet es: besser einsteigen, nicht laufen. Danach führt Google Maps entlang eines schönen Flusses – nur leider an die falsche Seite des Areals. Stacheldraht, Polizei, Gefängnis, Staatsanwaltschaft: Wer nicht mit dem Auto kommt, landet schnell dort, wo man zwar nahe ist, aber nicht hinein kann.

Die Einvernahme selbst: sachlich und souverän

Gerade deshalb ist der Kontrast interessant. Die Anreise ist umständlich, die Einvernahme selbst aber professionell. Duri beschreibt die Staatsanwältin als souverän, nett und zugewandt. Besonders positiv fällt ihm die Belehrung auf: nicht endlos technisch, sondern verständlich und auf die beteiligte Person ausgerichtet. Das ist ein wichtiger Punkt. Eine Belehrung ist im Strafverfahren nicht bloss ein Formularmoment. Sie entscheidet mit darüber, ob eine Person versteht, in welcher Rolle sie befragt wird, welche Rechte und Pflichten bestehen und was die Einvernahme bedeutet. Gute Strafverfolgung zeigt sich auch darin, ob verständlich erklärt wird.

Offen fragen, nicht pro forma abarbeiten

Der Hintergrund des Verfahrens macht die Einvernahme zusätzlich interessant. Das Verfahren war durch die Staatsanwaltschaft eingestellt worden; das Obergericht Nidwalden hat diese Einstellung aufgehoben. In einer solchen Situation hat sich Duri gefragt: Wird jetzt nur pflichtgemäss nachbefragt? Oder wird wirklich offen geschaut, was sich aus der Einvernahme ergibt? Letztendlich ist Duri positiv überrascht. Es wurde offen gefragt, der Beschuldigte wurde aber keinesfalls geschont. Genau diese Balance macht eine gute Einvernahme aus: Sie ist nicht vorentschieden, aber auch nicht beliebig. Sie lässt Raum für Antworten, bleibt aber am Sachverhalt dran.

Ergänzungsfragen und Vorbereitung

Duri war in dieser Einvernahme als Geschädigtenvertreter dabei. Vor diesem Hintergrund hatte er eine vollständige Einvernahme vorbereitet und ein Dossier mit Dokumenten zusammengestellt, die er dem Beschuldigten einzeln hätte vorlegen können. Das ist klassische anwaltliche Vorbereitung: Man weiss nicht, was die Staatsanwaltschaft fragt, also bereitet man den eigenen Zugriff auf den Sachverhalt sauber vor. In diesem Fall braucht Duri das vorbereitete Dossier nicht. Die Staatsanwältin legt die relevanten Dokumente selber vor. Für ihn ist das gerade ein Qualitätszeichen: Die Einvernahme war nicht bloss formal, sondern inhaltlich gut vorbereitet und geführt. Manchmal ist anwaltliche Arbeit auch, zu merken, dass die eigene Intervention nicht nötig ist.

Kantonale Praxis und kleine Systeme

Am Schluss sprechen Duri und Nina kurz über die Grösse der Staatsanwaltschaft Nidwalden. Duri schätzt rund zehn Staatsanwältinnen und Staatsanwälte, Jugendanwaltschaft eingeschlossen, bei einem Kanton mit rund 45’000 Einwohnern. Die Folge macht sichtbar, dass das Strafprozessrecht zwar schweizweit gilt, Strafverfolgung aber immer auch kantonal erlebt wird: im Gebäude, in der Organisation, im Umgang, in der Verfahrensführung, in der Frage, ob man mit dem Auto kommen sollte - und manchmal sogar darin, ob der Anschlusszug wartet.

Stans nach der Einvernahme

Nach der Einvernahme bleibt Duri noch etwas in Stans. Er fragt nach einem Restaurant, wird beim Wort «Städtchen» freundlich korrigiert und landet in der Wirtschaft zur Rosenburg Höfli. Kirche, Winkelried, Niklaus von Flüe, Sommerhitze, Melone, Meeresfrüchte und ein richtig heisser Espresso. Strafverfahren finden nicht im Lehrbuch statt. Sie finden an Orten statt. Diesmal in Stans.

Kapitel 00:00 Bücher zur Anwaltstätigkeit und Anwaltsprüfung unter www.duribonin.ch/shop 00:23 «Auf dem Weg durch die Schweiz» 00:41 Einvernahme in Stans planen 01:13 Hotel oder früher Zug? 01:32 Knappe Anschlüsse nach Luzern 02:40 Sprint auf den Zug nach Stans 03:25 Mit Bus und Google Maps zur Staatsanwaltschaft 04:00 Stacheldraht, Polizei, Gefängnis und Umweg 05:19 Anruf bei der Staatsanwaltschaft 05:48 Eindruck von der Einvernahme 06:03 Gute Belehrung und geduldige Fragen 06:53 Verfahren nach früherer Einstellung 07:16 Offene Befragung statt Pro-forma-Termin 07:47 Ergänzungsfragen und vorbereitetes Dossier 08:17 Stans, Restaurantempfehlung und Rosenburg 09:26 Kirche, Winkelried und Niklaus von Flüe 10:23 Essen in der Rosenburg 11:12 Grösse der Staatsanwaltschaft Nidwalden 11:51 Kurzer Seitenblick nach Zürich 12:20 Schluss

Links zu diesem Podcast:

Die Podcasts "Auf dem Weg als Anwält:in" sind unter https://www.duribonin.ch/podcast/ oder auf allen üblichen Plattformen zu hören 🎧. Dort einfach nach 'Duri Bonin' suchen und abonnieren.

Hinweis: Diese Folge und diese Shownotes dienen der allgemeinen Information und Reflexion über Einvernahmen, Strafverfolgung und anwaltliche Praxis in der Schweiz. Sie beruhen auf einem persönlichen Erfahrungsbericht aus einem konkreten Verfahren und enthalten keine verbindliche Darstellung der allgemeinen Praxis der Staatsanwaltschaft Nidwalden, keine offizielle Mitteilung einer Behörde und keine Anleitung für den Einzelfall.


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Über diesen Podcast

In diesem Podcast reflektiert Duri Bonin mit Gästen über Fragen rund um die Arbeit als Anwalt und Strafverteidiger: Was macht eine gute Anwältin aus? Wie organisiert man die Anwaltstätigkeit? Wie handhabt man den Umgang mit Klienten, Gegenanwälten, der Polizei, der Staatsanwaltschaft und den Gerichten? Was zeichnet ein gutes Plädoyer aus? Wie legt man sich eine Verteidigungsstrategie zurecht? Der spannenden Fragen sind vieler. Es ist ein Weg ins Urmenschliche, manchmal gar Allzumenschliche.

von und mit Duri Bonin

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