Auf dem Weg als Anwält:in

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#760 Wie geht Strafverteidigung? Wie Plädoyers Entscheidungsgrundlagen werden

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Diese Folge knüpft an #757 Plädieren mit Substanz: Wie Strafverteidigung vor Gericht überzeugt an – geht aber einen Schritt weiter. Es geht nicht mehr nur um Technik, sondern um die Funktion von Verteidigung im Verfahren.

Duri Bonin ordnet das Handwerk des Plädierens ein als Arbeit an Klarheit in einem Verfahren, das selten eindeutig ist. Strafverteidigung erzählt Geschichten – nicht um zu dramatisieren oder zu überreden, sondern um Komplexität verständlich zu machen, Widersprüche sichtbar zu halten und dem Gericht die Arbeit der Entscheidung überhaupt erst zu ermöglichen.

Die Folge zeigt, warum gute Verteidigung nicht im Effekt liegt, sondern in der sorgfältigen Verdichtung: von der Rechtsfrage über die Falltheorie bis zur Sprache des Plädoyers. Und warum genau diese Arbeit – so unspektakulär sie wirkt – für Gerichte zentral ist, um Sachverhalte einordnen, abwägen und verantworten zu können.

Darum geht es in dieser Episode:

  • Warum gutes Plädieren mit der präzisen Klärung der Rechtsfrage beginnt
  • Falltheorie: Was ist passiert – und was bedeutet das rechtlich?
  • Die Funktion des Leitmotivs als innerer Kompass der Verteidigung
  • Storymap im Strafverfahren: Figuren, Ort, Ablauf, Wendepunkt
  • Warum die beste Version der Gegenseite immer mitzudenken ist
  • Beweise einordnen statt aufzählen
  • Einvernahmen und Zeugenbefragungen als Teil einer konsistenten Sachverhaltsversion
  • Widersprüche integrieren statt verdrängen
  • Die stärksten Gegenargumente offen benennen und beantworten
  • Sprache im Plädoyer: Struktur, kurze Sätze, anschauliches Deutsch
  • Warum Textbausteine Denken ersetzen – und Urteile schwächen
  • Der ethische Prüfstein: nichts Wesentliches weglassen, nichts verdrehen
  • Die Widerstandsprobe: Trägt die eigene Version auch unter ungünstigen Annahmen?

Gute Verteidigung arbeitet mit dem, was trägt – und verschweigt nicht, was offenbleibt. Sie hält Unsicherheit aus, statt sie zu kaschieren. Und sie nimmt das Gericht ernst als Instanz, die mit Ungewissheit umgehen und Verantwortung übernehmen muss.

Diese Folge richtet sich an Strafverteidigerinnen und Strafverteidiger, Staatsanwältinnen und Staatsanwälte sowie Vertreterinnen und Vertreter von Privatklägern, die ihr Plädieren schärfen wollen – nicht rhetorisch, sondern strukturell. An Richterinnen und Richter, die nachvollziehen möchten, wie Verteidigung Sachverhalte strukturiert und Entscheidungsprozesse unterstützt. Und an alle, die sich für Rechtsstaatlichkeit interessieren und verstehen wollen, warum gute Strafverteidigung nicht stört, sondern ermöglicht.

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Über diesen Podcast

In diesem Podcast reflektiert Duri Bonin mit Gästen über Fragen rund um die Arbeit als Anwalt und Strafverteidiger: Was macht eine gute Anwältin aus? Wie organisiert man die Anwaltstätigkeit? Wie handhabt man den Umgang mit Klienten, Gegenanwälten, der Polizei, der Staatsanwaltschaft und den Gerichten? Was zeichnet ein gutes Plädoyer aus? Wie legt man sich eine Verteidigungsstrategie zurecht? Der spannenden Fragen sind vieler. Es ist ein Weg ins Urmenschliche, manchmal gar Allzumenschliche.

von und mit Duri Bonin

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